Amarone – Ein italienischer Power-Rotwein mit Charakter

Der Amarone gehört zu Italiens größten Rotweinen. Was Appassimento wirklich bedeutet, wie sich der Stil vom Kraftprotz zur Finesse gewandelt hat und welche Speisen den Wein ideal begleiten – ein persönlicher Guide.
Das Wichtigste auf einen Blick
Konzentration, Struktur, aromatische Tiefe: Der Amarone della Valpolicella ist einer der charakterstärksten Rotweine Italiens
Seine Besonderheit: das Appassimento-Verfahren, bei dem die Trauben über 100 Tage trocknen, bevor sie vinifiziert werden.
Typische Noten: Kirsche, Schokolade, Tabak und Kräuter.
Serviertemperatur: 18 bis 20 Grad. Dekantieren ist Pflicht.
Die Food-Pairing-Klassiker: kräftige Fleischgerichte, Pilz-Trüffel-Risotto und dunkle Schokolade.
Was ist Amarone?
Amarone della Valpolicella ist ein kraftvoller, trockener Rotwein aus der Region Valpolicella in Italien. Er wird hauptsächlich aus den Rebsorten Corvina, Rondinella und Corvinone hergestellt.
Sein besonderes Merkmal ist das Appassimento-Verfahren: Die geernteten Trauben werden mehrere Monate getrocknet, wodurch sie Wasser verlieren und Zucker, Aromen und Extrakt konzentriert werden. Erst danach werden sie gekeltert und vollständig vergoren.
Wie entsteht Amarone durch das Appassimento Verfahren?
Wenn Geduld zum Prinzip wird
Was den Amarone von praktisch jedem anderen Rotwein der Welt unterscheidet, ist seine Entstehung. Das Appassimento-Verfahren – die Trocknung der Trauben über mindestens 100 Tage auf Holzgestellen – ist so aufwändig wie kostspielig. Die Beeren verlieren dabei 30 bis 40 Prozent ihres Wassergehalts. Zucker, Säure, Aromen: alles konzentriert sich. Nach der Trocknung werden die geschrumpften Trauben gepresst und vergoren. Das Ergebnis ist ein trockener Rotwein mit mindestens 14 Volumenprozent Alkohol (in der Praxis oft deutlich darüber) und einem Lagerpotenzial, das locker drei Jahrzehnte erreichen kann.
Dass dieser Wein 1930 einem Zufall zu verdanken ist – einer vergessenen Partie halbgetrockneter Trauben, die weitervergoren, statt süß zu bleiben – gehört zu jenen Geschichten, die zu schön sind, um sie nicht bei jeder Gelegenheit zu erzählen.

Wie schmeckt Amarone und welche Aromen sind typisch?
Kräftig, intensiv, opulent – die Adjektive, die man dem Amarone zuschreibt, sind nicht falsch. Aber sie erzählen nur die halbe Geschichte. Denn hinter der Kraft verbirgt sich eine erstaunliche Eleganz. Am Gaumen entfalten sich Schichten von dunkler Kirsche, Backpflaume, Schokolade, Tabak und Kräutern. Und dann ist da diese charakteristische, leichte Bitterkeit im Abgang – amaro bedeutet auf Italienisch bitter, und genau dieser Zug gab dem italienischen Rotwein einst seinen Namen.
Wer glaubt, ein Amarone sei einfach ein aufgepumpter Valpolicella, irrt gewaltig. Der leichtfüßige Valpolicella, wie man ihn vom Italiener um die Ecke kennt, teilt mit seinem großen Bruder zwar das Anbaugebiet und die Rebsorten – Corvina, Corvinone, Rondinella –, doch stilistisch liegen Welten dazwischen.
Der Stilwandel
Interessant ist die Entwicklung der letzten Jahrzehnte. In den 1990er Jahren dominierte der Ausbau in französischen Barriques – mehr Holz, mehr Wucht, mehr war mehr. Heute setzen die besten Produzenten auf große Holzfässer, gerne auch getoastet, und streben nach Finesse statt Kraftmeierei. Ein Paradigmenwechsel, der dem Amarone ausgezeichnet steht.
Reife und der richtige Moment
Amarone-Weine dürfen frühestens fünf Jahre nach der Ernte in den Handel – bei der Kategorie Riserva sind es sechs. Doch wann ist der ideale Trinkzeitpunkt? Generell erreichen die Weine ihre Vollendung nach 15 bis 20 Jahren, abhängig vom Jahrgang. In den ersten Jahren zeigt sich der Amarone von seiner fruchtbetonten Seite, doch die wahre Magie entsteht, wenn Zeit und Wein sich verbünden.
Wer seinen Amarone zu jung öffnet, beraubt sich eines Erlebnisses. Wer zu lange wartet – nun, das passiert in der Praxis selten. Die Versuchung ist schlicht zu groß.
Amarone della Valpolicella Classico richtig servieren
Für Amarone della Valpolicella Classico empfiehlt es sich, die Weine je nach Jahrgang und Reife entsprechend zu temperieren, um das volle Aroma und die Komplexität zu genießen. Die allgemeine Regel ist, dass reifere und hochwertigere Weine bei etwas höheren Temperaturen serviert werden sollten.
Trinktemperatur für Amarone della Valpolicella Classico
Junge Jahrgänge:
Trinktemperatur: 16-18 °C
Diese Weine sind oft fruchtig und frisch. Eine kühlere Temperatur hilft, die fruchtigen Aromen zu betonen.
Reifere Jahrgänge:
Trinktemperatur: 18-20 °C
Ältere Amarone della Valpolicella Classico-Weine haben komplexe Aromen und profitieren von einer etwas höheren Temperatur.
Hochwertige oder sehr reife Jahrgänge:
Trinktemperatur: 20-22 °C
Diese Weine haben oft eine große Tiefe und Komplexität, die bei höheren Temperaturen besser zur Geltung kommen.

Warum der Wein vom Dekantieren profitiert
Das Dekantieren von Amarone-Weinen ist besonders vorteilhaft, da es die komplexen Aromen entfaltet und die kräftigen Tannine weichzeichnet, was zu einem runden und harmonischen Geschmack führt. Junge Amarone können anfangs verschlossen wirken, und durch das Belüften beim Dekantieren werden fruchtige und würzige Noten besser zugänglich. Zudem hilft das Dekantieren, Sedimente von älteren Amarone-Weinen zu entfernen, was für ein klareres und angenehmeres Trinkerlebnis sorgt.
Es unterstützt auch die Kontrolle der optimalen Trinktemperatur, indem der Wein auf die ideale Temperatur gebracht wird. Darüber hinaus wertet das Dekantieren die Präsentation des Weins auf, was das gesamte Trinkerlebnis visuell bereichert. Daher wird empfohlen, Amarone mindestens 30 Minuten bis zu mehreren Stunden vor dem Servieren zu dekantieren, um die besten Eigenschaften des Weins voll zur Geltung zu bringen.
Welche Rebsorten sind für Amarone typisch?
Corvina (Hauptrebsorte, meist 45–95 %)
Rondinella
Corvinone (oft als Ergänzung oder Ersatz für einen Teil der Corvina)
In kleineren Anteilen können außerdem verwendet werden:
Molinara
weitere lokale, zugelassene Rebsorten der Valpolicella-Zone
Food-Pairing: Was auf den Teller darf
Der Amarone ist kein Begleitwein für Salat. Seine Konzentration verlangt nach Gerichten, die ihm auf Augenhöhe begegnen.
Fleisch funktioniert klassisch
Ein venezianischer Rindfleischeintopf, dessen dunkle Aromen die Noten von Pflaume und Gewürzen im Wein spiegeln. Oder eine Lammkeule mit Kräutern, bei der Rosmarin und Thymian mit den würzigen Nuancen des Weins in Dialog treten. Produzenten wie Allegrini und Masi liefern hier Amaroni, die solche Gerichte nicht begleiten, sondern veredeln.
Vegetarisch geht ebenso
Ein Pilz-Trüffel-Risotto mit seiner erdigen Tiefe ist ein grandioser Partner. Gereifter Parmigiano Reggiano, 36 Monate, dazu ein Amarone von Bertani – da braucht es nichts anderes mehr auf dem Tisch. Selbst eine Lasagne mit gegrilltem Gemüse und konzentrierter Tomatensauce hält dem Wein mühelos stand.
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